Interview mit dem Artenschutzexperten Helmut Beran

Klasse 8b: Bitte stellen Sie sich und Ihre Aufgaben beim LBV kurz vor.

Helmut Beran: Mein Name ist Helmut Beran. Ich bin derzeit Geschäftsführer beim Landesbund für  Vogelschutz. Meine Aufgaben umfassen zum einen den Personalbereich, das heißt ich bin für rund 260 Mitarbeiter bayernweit verantwortlich und für alles, was dazugehört, z.B. Arbeitsverträge abschließen. Ich begleite das Bewerbungsverfahren für Neueinstellungen, kümmere mich auch mal um Trennungen, Kündigungen, Gehälter und solche Geschichten. Das ist meistens eine sehr trockene Materie und zum zweiten bin ich für den Bereich Naturschutzpolitik zuständig. Das ist ein sehr sehr großes Feld. Deshalb beschränke ich mich da in erster Linie auf die Klageverfahren mit der EDV. Wenn wir also der Auffassung sind, dass zum Beispiel Grund zu einem Eingriffsverfahren besteht, zum Beispiel, wenn der vorgegebene Schutz von Tier und Pflanzenarten nicht ausreichend berücksichtigt wird, dann haben wir die Möglichkeit gegen einen Bebauungsplan oder gegen einen Planfeststellungbeschluss zu klagen. Dann bin ich z.B. verantwortlich für die Nobilitierung von Gesetzen zum Beispiel Naturschutzgesetze, Klimaschutzgesetze, Wasserhaushaltsgesetze, etc. Das sind so die großen Bereiche der Datenschutzpolitik.

Klasse 8b: Uns würde auch noch interessieren, wie Sie zu Ihrem Beruf gekommen sind.

Helmut Beran: Das ist eine ganz interessante Geschichte. Ich hab 1983 in Bayreuth mein Geologie Studium begonnen und dort einen Kommilitonen kennengelernt, der hier beim LBV in der Landesgeschäftsstelle damals seinen Zivildienst gemacht hat und der hat mich gefragt, ob ich mal Lust habe, zum Wanderfalken bewachen mitzugehen. Das war damals ein ganz großes Thema beim LBV, weil die Wanderfalken waren in den 80er Jahren bayernweit fast ausgestorben und der Schutz dieser war dem LBV ein ganz wichtiges Anliegen. Da bin ich also mal eine Woche mitgegangen, das war in Südbayern und so ist mein Bezug zur Ornithologie und zum LBV entstanden. Das hat sich im Laufe der Jahre immer weiterentwickelt. Ich habe dann 1988 meinen Zivildienst für den Landesbund für Vogelschutz gemacht und habe 1992 beim LBV angefangen zu arbeiten.

Klasse 8b: Uns würde dann noch interessieren, wofür der LBV überhaupt steht.

Helmut Beran: Der Name Landesbund für Vogelschutz ist in der heutigen

 Zeit etwas irreführend, denn wir kümmern uns natürlich nicht nur um den Vogelschutz, was sich aber auch bei unserem Zusatznamen Verband für Artenschutz widerspiegelt. Also sind wir ein Verband, der sich für den Erhalt aller heimischen Tier- und Pflanzenarten in ihren natürlichen Lebensräumen einsetzt. Das sind eben nicht nur Vögel, das können auch Maßnahmen zum Schutz von Amphibien und Reptilien sein, das können Maßnahmen zum Schutz von besonderen Insektenarten sein, das kann aber genauso gut auch der Schutz von bestimmten Pflanzenarten wie Orchideen sein. Also sind wir relativ breit aufgestellt.

Klasse 8b: Und was sind noch Ihre Ziele? Was wollen Sie noch unbedingt erreichen speziell hier im Landkreis Roth?

Helmut Beran: Also wir sind ja bayernweit aktiv als Verband und unser Ziel ist es, alle heimischen Tier- und Pflanzenarten im Natur- und Lebensraum zu erhalten zu schützen. Wenn wir das als Ziel zusammenfassen, dann möchte ich im Prinzip meinen Kindern und meinen Enkeln eine vielfältige Natur hinterlassen, so wie ich sie aus meiner Kindheit kenne, wie sie heute leider nur in wenigen Bereichen Bayerns anzutreffen ist. Wir arbeiten daran, dass Bayern bunt ist, nicht in politischer Hinsicht, sondern  in biologischer Hinsicht, dass wir bunte Blumenwiesen haben, dass wie Äcker haben, auf denen Kornblumen oder Klatschmohn wächst, dass wir eine vielfältige Vogel- und Insektenwelt haben, weil letztendlich ist das ja nicht nur für die Natur nützlich, sondern auch für uns Menschen. Es gibt diesen Begriff „die Gemeinwohlleistung der Natur“. Darunter kann man zum Beispiel all die Aufgaben und Funktionen verstehen, die die Natur für uns übernimmt, den Windschutz, den Erosionsschutz, den Hochwasserschutz, den Klimaschutz und die Produktion von Sauerstoff. Wir als Menschen sind letztlich darauf angewiesen, dass wir artenreich Lebensräume haben, weil artenreiche Lebensräume stabile Lebensräume sind. Wir profitieren davon, wenn wir hier stabile Lebensräume haben und eine gesunde Natur, weil die Natur uns kostenlos eine Vielzahl von Leistungen zur Verfügung stellt. Allein das Thema Trinkwasserschutz wäre hier ein ganz ganz wichtiger Punkt, denn sauberes Trinkwasser bekommen wir nur, weil wir aktive, gesunde Wälder haben, die im Prinzip das Regenwasser filtern. 

Klasse 8b: Dazu habe ich noch eine Frage: Wie versuchen Sie das Aussterben der Tiere etwas einzuschränken und wie versuchen Sie diese zu retten?

Helmut Beran: Da kommen wir zu dem Schwerpunkt unserer Arbeit. Wir können hier vielleicht drei Hauptfelder nennen: Das erste ist der klassische Artenschutz. Wir führen zum Beispiel Artenschutzprogramme durch für ganz bestimmte bedrohte Arten, wie zum Beispiel den Weißstorch, eine Art hier in Mittelfranken, die inzwischen sehr häufig ist. Für die Umwelt führen wir ein Hilfsprogramm durch und haben dafür gesorgt, dass zum einen die Vögel natürlich wieder gut Möglichkeiten finden, dass Neste zum Beispiel auf Hausdächern, auf Kaminen oder auf Schornsteinen vorhanden sind. Aber, was natürlich entscheidend ist, dass sie ausreichend gute Nahrungsflächen zur Verfügung haben, beim Brüten. Das sind zum einen diese klassischen Hilfsprogramme und das andere sind der Lebensraumschutz (Biotopenschutz). Hierbei kaufen wir selber einen Großteil an Flächen in Bayern, das sind 3000 Hektar, also ca. 3600 Fußballfelder. Wir wollen auch dazu beitragen, dass die Artenvielfalt geschützt wird. Da gibt es die staatlichen Förderprogramme und da wirken wir mit, dass bestimmten Maßnahmen zugestimmt wird. Oder wir führen selber Programme durch. Beispielsweise haben wir im Landkreis Roth ein Modellprojekt, um die Biodiversität bei den kommunalen Flächen zu steigern. Dabei müssen jetzt auch Kommunen selbst beim Artenschutz mehr tun. Das läuft so ab, dass wir zuerst die Fächen begutachten und bewerten. Dadurch finden wir heraus, welche Tierarten darauf leben und leben könnten und dann sagen wir den Kommunen, wie sie in Zukunft die Fläche pflegen und gestalten sollen, damit dort mehr Lebensräume für Tiere und Pflanzen geschaffen werden können. Wir gehen nochmal kurz zurück zu dem Begriff Biodiversität, das ist nicht nur die Artenvielfalt, sondern auch die genetische Vielfalt, also die Sortenvielfalt. Wenn du heute in den Supermarkt gehst, finden wir eine Handvoll Apfelsorten, die es immer wieder gibt. Aber in Bayern gibt es eine Sortenvielfalt von weit über 1000 verschiedene Apfelsorten, die in den Jahren sehr selten geworden und Vergessenheit geraten sind. Dies fällt unter den Begriff Biodiversität. Es ist für unseren Genpool sehr wichtig, dass wir diese natürlich erhalten wollen.

Klasse 8b: Da wir Genaueres zum Landkreis Roth wissen wollen, würde uns interessieren, welche Tierarten besonders im Landkreis Roth geschützt werden müssen?

Helmut Beran: Ein weiteres großes Projekt mit den Kommunen derzeit ist die Renaturierung der Schwarzach-Auen. Die Schwarzach ist ein Grenzfluss zwischen Mittelfranken und der Oberpfalz, also hier östlich von Hilpoltstein. Da ist zum Beispiel die Zielsetzung, Lebensraum für Wiesenbrüter zu optimieren. Das sind also Vögel, die auf nassen bis feuchten Wiesen brüten. Ein typischer Wiesenbrüter in unserer Gegend ist beispielsweise der Kibitz. Wir haben diese Flächen im Zuge mehrere Projekte renaturiert. Das heißt, der Schwarzach wurde die Möglichkeit gegeben, wie ein natürliches Fließgewässer zu laufen und bei Hochwasser über die Ufer zu treten, um die Wiesenflächen zu überfluten. Damit bleibt das Wasser länger auf der Fläche und somit wird im Prinzip Lebensraum für die Wiesenbrüter geschaffen. Um diese Lebensräume auch langfristig für die Art interessant zu halten, arbeiten wir zum Beispiel mit dem Kloster Plankstetten  zusammen, die für uns die Beweidung dieser Flächen mit Rindern durchführen. Wir schützen außerdem den sogenannten Ziegenmelker, eine Vogelart, die vor allem in lichten Kiefernwäldern vorkommt und bei uns besonders unter  Artenschutz steht. Durch den sandigen Boden haben wir hier im Landkreis auch sehr viele Abbaustellen, also Sandgruben, Kiesgruben etc. Dort haben wir eine Arbeitsgruppe, die sich gezielt für den Schutz der Vogelarten Wendehals und Wiedehopf einsetzt. Das  sind zwei Vogelarten, die auch auf trockene, warme  Lebensräume  angewiesen sind, wo sie ausreichend Insekten als Nahrung finden. Weitere Projekte haben wir noch zum Schutz von Amphibien, vor allem Amphibien, die in  Sandgruben vorkommen, wie die Kreuzkröte und der Laubfrosch.

Klasse 8b: Zu diesem Thema würde uns noch interessieren, wie vielfältig denn die Natur hier im Landkreis Roth ist im Gegensatz zu anderen Landkreisen?

Helmut Beran: Das ist eine schwierige Frage. Durch die sandigen Böden als Untergrund haben wir vielleicht nicht die Vielfalt, die wir bei anderen Landkreisen vorfinden. Aber wir haben einen ganz weiten  Waldbereich und im Süden dann mehr einen Kalkbereich somit, in den Jura hinein. Da haben wir dann eher wieder Magerrasen, Trockenrasen und auch Wachholderweiden, die über Schafbeweidung offen gehalten werden. Wir haben außerdem Waldbereiche und Laubwaldbereiche. Wir haben hier im Landkreis dann auch einige Gewässer und  auch Fließgewässer zum Beispiel die Roth. Es gibt einige Teiche mit u.a. Karpfen. Diese spielen eine wichtige Rolle, weil Teiche eine Vielfalt von Arten beherbergen. Außerdem besitzen wir einen großen Lebensraum für viele Amphibien und für Libellen. Das sind die besonderen Gebiete im Landkreis. Was wir nicht haben, sind solche klassischen Moorlebensräume, da wir hier eben einen etwas trockeneren Boden haben. 

Klasse 8b: Es gibt ja die große Umweltstation am Rothsee. Was genau wird dort gemacht und worauf ist diese Umweltstation spezialisiert?

Helmut Beran: Die Station dort ist eine der 40 anerkannten Umweltstationen in Bayern. Alleine hier im LBV haben wir 11 von diesen anerkannten Umweltstationen. Doch im Gegensatz zu den anderen Umweltstationen, bieten wir hier am Rothsee Arbeit für Menschen mit Behinderung an, da wir sehr eng mit Regens Wagner zusammen arbeiten. Ansonsten bieten wir natürlich sehr sehr viele Kurse oder Führungen für Kindergärten, Schulen und auch für Erwachsene an. Auch unsere Themen sind hier ziemlich breit aufgestellt, was heißt, dass wir besonders auf Bildung und nachhaltige Entwicklung achten. Hauptsächlich bearbeiten wir dann solche Themen wie zum Beispiel die biologische Vielfalt, Konsum und Mobilität, da das eben auch Faktoren sind, die mit der Natur zusammenhängen. Ein klassisches Beispiel dafür ist die Ernährung. Denn, wenn wir jetzt fordern, dass mehr Bio Produkte konsumiert werden sollen, und dann eben mehr Bio gekauft wird, sind die Landwirte auch bereit ihre Flächen auch biologisch zu bewirtschaften. Biologische Wirtschaft bedeutet eben reduzierter Eingriff in die Natur, zum Beispiel Reduzierung des Einsetzen von Kunstdünger oder Pestiziden. Das würde den Pflanzen sicherlich auch sehr gut tun. Im Durchschnitt versorgt eine Pflanze 10 verschiedene Insektenarten, die wiederum die Grundnahrungsmittel von Vögeln sind. Also kann ich letztendlich mit dem Umstellen meiner Ernährung auch Tiere schützen. 

Klasse 8b: Was könnten gerade junge Menschen nun dazu beitragen, dass der LBV auch in Zukunft seine Ziele erreicht?

Helmut Beran: Also da gibt es eigentlich ziemlich viele Möglichkeiten. Die einfachste und beste Möglichkeit, der Natur zu helfen, ist etwas in seinem eigenen Umfeld zu ändern, wie zum Beispiel weniger Fleisch und mehr Bio konsumieren und vor allem auf Nachhaltigkeit achten. Lieber ein teures Sofa kaufen, das dann 30 Jahre hält als ein billiges, das nur 5 Jahre hält. Und auf jeden Fall auf Qualität achten. Und zum Thema Mobilität: immer das Fahrrad nehmen, wenn es geht. Wenn nicht, dann lieber den Zug als das Auto nehmen. Natürlich kann man sich auch ehrenamtlich für den LBV einsetzen. Mittlerweile haben wir auch schon über 100.000 Mitglieder, davon 100 Jugend- und Kindergruppen. 

Klasse 8b: Vielen Dank.

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