Interview mit Schriftsteller Wilhelm (Willi) Lauterbach

Klasse 8b: Kommen wir zu unserer ersten Frage. Bitte beschreiben Sie erstmal kurz, wer Sie überhaupt sind.

Mein Name ist Wilhelm Lauterbach. Ich bin 1960 in Nürnberg geboren, bin dann dort aufgewachsen, habe eine Lehre gemacht, habe mich weitergebildet, bin dann in der Mitte der 80er Jahre nach Roth gezogen, bin verheiratet, habe 2 Kinder und wohne jetzt nach unserem Auslandsaufenthalt in Botswana in Belmbrach schreibe Gedichte.

Klasse 8b: Sie sind ja gelernter Elektroinstallateur. Wie sind Sie dann zum Schreiben gekommen?

Ja gut, ich bin in Nürnberg in der Südstadt aufgewachsen, das war ein Arbeiterviertel zu der Zeit. Die handwerkliche Ausbildung ist eigentlich so für die damalige Zeit folgerichtig gewesen und ich habe mich dann im Alter fortgebildet und nach der Elektriker Ausbildung noch Elektrotechnik gemacht. Ich habe dann noch mein Fachabitur und meine Fachhochschulreife nachgeholt und habe dann eine Stelle im öffentlichen Dienst angenommen. Mitte der 90er Jahre habe ich mir schon Gedanken aufgeschrieben, ohne dass daraus was Großes geworden ist, dann vergessen und, als ich von meinem Auslandsaufenthalt zurückkam, habe ich irgendwo in der Ecke mein altes Gedankenbuch gefunden. Dann habe ich das Schreiben wieder aufgenommen und so seit 2014/2015 ungefähr habe ich dann begonnen, konkrete Ideen zu haben, was ich schreiben will und habe das dann aufgeschrieben und so hat sich das entwickelt.

Klasse 8b: Inwiefern betrifft Ihre Kunst jetzt den Landkreis?

Ja da muss ich dazu sagen, das ist ein relativ schwieriges Feld für Gedichte und Lyrik. Es ist im Landkreis eher das, was nicht so bedeutsam und nicht so wahrgenommen wird, wenn man Gedichte schreibt im Gegensatz zu Autoren, die regionale Krimis schreiben oder auch Kurzgeschichten. Ich würde eher sagen, dass der Landkreis vielleicht mein Schreiben betrifft, weil ich da natürlich den Leuten zuhöre. Ich lauer den Leuten auf und höre, was sie sagen und überlege, ob ich das dann verwerten kann. Das heißt ich bin dann eher in der Umgebung von Leuten, die mir interessant erscheinen und deren Erzählungen ich in meinen Gedichten verwerte.

Klasse 8b: Sie schreiben Gedichte. Was genau sind Ihre Inspirationsquellen?

Ich bin ein sehr naturverbundener Mensch, schreibe ja auch Gedichte über Jahreszeiten und über die Natur. Aber auch das Menschliche, alles, was mit Nächstenliebe zu tun hat, inspiriert mich eigentlich, Gedichte zu schreiben. Ich habe drei Felder, die ich in meinem neuen Gedichtband abgebildet habe. Das eine sind meine komischen Ideen, diese sind meistens sehr schnell aufgeschrieben. Dann habe ich die zweite Kategorie und das sind Dinge, die von mir selber kommen. Das dritte sind dann kritische Gedichte, bei denen ich in einer sehr drastischen Sprache verschiedene Sachen anmahne und anklage. Das sind dann eher so gesellschaftliche Themen wie Ungerechtigkeiten, Dritte Welt, Migration Flucht und Vertreibung usw.

Klasse 8b: Es gibt viele Dichter, die einen bestimmten Ort haben, wo sie am liebsten schreiben. Haben Sie da auch einen?

Eigentlich zu Hause. Ich schreibe natürlich auch im Urlaub, weil da habe ich die Sachen immer dabei,  aber eigentlich auf meiner Terrasse oder in meiner Hängematte, da hab ich einige der besten Einfälle. Dort schreibe ich das meiste und da schreibe ich dann am liebsten. Das ist so eine bekannte Umgebung. Aber es geht auch woanders, wenn man Einfälle hat. Also habe ich überall immer, wenn ich irgendwo bin, meistens irgendetwas  zum Schreiben dabei, wo ich dann Ideen und Einfälle festhalten kann. Aber so richtig formulieren, tu ich viel in meinem Garten.

Klasse 8b: Und wenn wir gerade von Orten sprechen, haben sie einen Lieblingsort im Landkreis?

Ja, einen Lieblingsort vielleicht nicht, aber da gibt es viele schöne Örtlichkeiten bei uns im Landkreis, gerade wenn man naturverbunden ist. Wenn man zum Beispiel Wald, Wiesen, Felder und die Schönheit unserer Schöpfung schätzt und sieht, dann gibt es im Landkreis wirklich wunderschöne Plätze. Was mir jetzt so spontan einfällt, ist die Gegend um Großweingarten, diese hügelige Landschaft. Dann auch, wenn die Obstbaumblüte in Kalbensteinberg ist. Das Spalter Hopfenland ist sehr schön, weil Hopfen meiner Meinung nach eine magische Pflanze ist, weil sie so mächtig und üppig wächst. Auch die Umgebung um Belmbrach, wo ich wohne, ist sehr schön.

Klasse 8b: Was macht den Landkreis Ihrer Meinung nach attraktiv?

Was mir im Landkreis so gut gefällt ist, dass wir viele kulturelle und künstlerische kleine Sachen haben, die angeboten werden, wie der Tag des Ateliers. Ich liebe kleine, beschauliche, nette aber auch riesige Museen und Vernissagen und da ist im Landkreis eigentlich ein reichhaltiges Angebot. Des Weiteren gefällt mir, dass wir im Landkreis Roth viele Hofläden haben, um regional die Leute zu unterstützen, zum Beispiel Die Kooperative in Röttenbach. Solche Projekte, solche Ideen, die von Menschen gemacht sind, um wieder ein menschengerechtes Einkaufen zu ermöglichen und wo man auch sehen kann, wo das Geld und die Warenströme hingehen und wo die Waren herkommen, das finde ich interessant. Und ich finde es beeindruckend, wie das in Roth eigentlich die letzten Jahre einen guten Lauf genommen hat.

Klasse 8b: Sie haben ja schon erwähnt, dass Sie im Ausland waren. Ich würde gerne wissen, warum Sie ins Ausland sind und warum Sie wieder zurückgekehrt sind.

Ich könnte Stunden darüber erzählen, warum meine Frau und ich ins Ausland gegangen sind. Wir wollten immer schon mal woanders leben. Wir wollten mal schauen, wie die Kultur in anderen Ländern ist und 1994 hat es dann geklappt. Ich habe eine Auslandsstelle bekommen und beim deutschen Entwicklungsdienst in Botswana ein kommunales Berufsschulprojekt unterstützt. Ich war da Ausbilder und Geschäftsführer und zuständig für die Ausbildung von Handwerkern in Botswana. Das war sehr aufregend. Wir waren 5 Jahre dort und man taucht dann auch mal wirklich richtig ins Leben ein und ist nicht nur als Tourist dort, wo man dann immer nur an der Oberfläche schwimmt. Wir wollten dort unseren Beitrag leisten, in benachteiligten Regionen den Menschen ein besseres Dasein geben und Wissen vermitteln. Aber natürlich nimmt man auch für sich selber sehr viel mit. Warum sind wir zurückgekehrt? - Wir wären eigentlich fast dortgeblieben. Ich habe aber eine feste Stelle gehabt im öffentlichen Dienst und das hat uns am Ende eigentlich dazu bewogen, dass man hier wieder in die Sicherheit gehen will, weil sonst hätte ich das kündigen müssen. Das war eine rationale und vernünftige Entscheidung.

Klasse 8b: Können Sie mir einen Grund nennen, warum junge Menschen im Landkreis bleiben sollten?

Ich denke,  das ist schwierig zu sagen. Bleiben und Gehen müssen beides freie Entscheidungen sein. Jemand, der was anderes sucht, der muss halt gehen oder muss schauen, ob es das, was er sucht, woanders gibt. Wenn bei einem anderem alles passt und er sagt: „Hier finde ich es gut.“, dann kann er bleiben. Ich glaube, das ist beides gleich wichtig. Viel wichtiger sind die Aussagen, die man von Zurückgekommenen bekommt, Leute, die weg waren und wiedergekommen sind, weil sie doch irgendwas mit dem Landkreis verbindet. Vielleicht, weil sie dort aufgewachsen sind, weil sie Freunde haben, was auch immer. Aber die sind anders als bevor sie gegangen sind. Die bringen was mit und darum denke ich, ist zurückkommen gut, wenn man mal was anderes erlebt hat. Das muss nicht unbedingt eine ganz andere Kultur sein, es kann auch eine andere Ortschaft in Deutschland sein. Aber die Leute bringen immer was in die riesige Kulturlandschaft mit ein und  sind anders als vorher. Das bringt Wandel und das bringt auch Entwicklung.

Klasse 8b: Wie Sie erwähnt haben, haben Sie 2017 Ihren ersten Gedichtband veröffentlicht und wir wollten wissen, ob noch mehr Veröffentlichungen geplant sind?

Ja, es sind noch weitere Veröffentlichen geplant. Ich habe jetzt 2020 einen veröffentlicht, das war letzten November. Ich habe den Gedichtband Gedankenfetzen 2017 gemacht. Mein neuestes Werk heißt Wörterdämmerung - trotz allem Liebe. Augenblicklich schreibe ich an einem Projekt zu einer anderen Geschichte. Da geht es um unsere Zeit in Afrika. Ich will unsere Erlebnisse und Geschichten lustig beleuchten und in unterhaltsamen Kurzgeschichten zusammenfassen. Ein Projekt, welches bislang nur in meiner Idee existiert.

Klasse 8b: Vielen Dank für das Interview!

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