#WeRemember
Wenn Fußball auf Geschichte trifft
Am 19. Juni 2026 besuchte Alexander Aufinger vom FC Bayern Museum die Geschichtsklassen 9a und 9b unseres Gymnasiums. Frau Kosider organisierte eine Wanderausstellung über die Rolle des Fußballvereins im Nationalsozialismus, um das Thema „Nationalsozialismus“ den Schülerinnen und Schülern noch einmal über einen anderen Weg näher zu bringen.
Gerade in den Jahren 2015/16 wurde der Wunsch nach einer stabilen Erinnerungskultur innerhalb des Vereins immer stärker, wie Herr Aufinger berichtet. Der Vorstand beschloss daraufhin 2017, diesen Teil der Vereinsgeschichte durch das Institut für Zeitgeschichte in München erforschen zu lassen, um die jüdische Geschichte innerhalb des Vereins aufzuarbeiten. Bereits bei der Gründung des FC Bayern im Jahr 1900 waren zwei Gründungsmitglieder Juden. Mit dem Vereinspräsidenten Kurt Landauer und dem Trainer Richard Dombi wurden auch in späteren Jahren die jüdischen Wurzeln weitergetragen. Nach dem Machtantritt Hitlers im Jahr 1933 sollten aber alle Sportler jüdischer Herkunft aus dem Sport ausgeschlossen werden, weshalb beide den Verein freiwillig verließen. Der „orientierungslose Verein“ – so der Ausstellungsleiter – trat nun unter die Leitung von Sigfried Herrmann, der die Arierparagraphe nicht einhalten wollte. Lange konnte sich diese Einstellung aber nicht halten: Josef Kellner, der gleichzeitig Mitglied der NSDAP war, übernahm 1938 das Kommando. Immer weiter drang so durch „Doppelagenten“ die NS-Ideologie in den Verein ein. Auch der Hitlergruß wurde in den Stadien zum Pflichtakt – so blieben die Gegner des Regimes außerhalb des Fußballs. Auch bei den olympischen Spielen 1936 in Berlin hatte der Sport seine Leichtigkeit und Politikferne verloren. Trotzdem war der Sport für viele Bürgerinnen und Bürger eine Flucht aus dem Kriegsalltag, deshalb konnte die Propaganda hier so gut wirken. Vor dem 1941 beginnenden Holocaust waren aber auch die Spieler des FC Bayern München nicht sicher. Zahlreiche Mitglieder des Fußballvereins fielen den Gräueltaten des NS-Regimes zum Opfer. Trotz all dem Grauen, welches den jüdischen Spielern widerfahren war, kehrte der in die Schweiz geflüchtete Kurt Landauer nach Ende des Krieges nach Deutschland und in den Verein zurück. Noch immer ist dieser mutige Mann eine der wohl meist geschätztesten Personen des Clubs. Er symbolisiert die wichtige Rolle so vieler Spieler, die den Nationalsozialismus nicht überlebt haben. Gedenktafeln und Biographien erinnern an ihre Geschichte. Solche konnten sich die Schülerinnen und Schüler der neunten Klasse in der Aula ansehen und einen Eindruck, wie Verein und NS-Zeit zusammenhängen, bekommen. Auch andere Fußballvereine arbeiten daran, sich mit ihrer Rolle in der NS-Zeit auseinanderzusetzen. So gedenken am 27.1 viele Fußballerinnen und Fußballer mit ihren Vereinen den Opfern des Regimes.
Die Geschichte so noch einmal von einer anderen Seite beleuchtet zu bekommen, war eine tolle Erfahrung. Nicht nur nach dem Vortrag, sondern auch während der ganzen nächsten Woche konnte die Schule die Wanderausstellung betrachten. Als Dank an den engagierten Alexander Aufinger überreichte die Klasse ein Glas Marmelade des Imkerkurses. Herrn Aufingers T-Shirt mit der Aufschrift „Rot gegen Rassismus“ setzte ein deutliches Zeichen und vermittelte, dass ein Fußballverein untrennbar zu seiner Geschichte steht.
Lina Wheeler-Hofbeck, 9a








