Unsere Fahrt nach Strasbourg zwischen Diplomatie und Revolution
Vier Tage lang erkundeten Französisch-Schülerinnen und Schüler der 8. und 9. Jahrgangsstufe die elsässische Metropole Straßburg und erlebten dabei nicht nur französische Kultur und europäische Politik, sondern auch einige Überraschungen.
Schon die Anreise gestaltete sich abenteuerlich: Nach dem Ausfall unseres TGV mussten wir in Karlsruhe kurzfristig in einen überfüllten ICE steigen. In Straßburg sorgten dann Schülerproteste (wir waren schließlich im Mutterland der Revolution angekommen) für eine spontane Umleitung unserer Straßenbahn. Dennoch erreichten wir unsere Unterkunft im Stadtzentrum einigermaßen pünktlich und konnten anschließend die historische Altstadt auf der Grande Île erkunden. Höhepunkt des ersten Tages war der Besuch des imposanten Straßburger Münsters. Mit seinem 142 Meter hohen Turm galt das aus rötlichem Sandstein aus den Vogesen erbaute Münster von 1647 bis 1874 als höchstes Gebäude der Welt und beeindruckt bis heute mit seiner berühmten astronomischen Uhr. Über 330 Stufen erklommen wir schließlich die Aussichtsplattform und genossen den Blick über Straßburg.
Bei strahlendem Sonnenschein lernten wir am zweiten Tag die Stadt von ihrer historischen und kulturellen Seite kennen. Unsere Stadtführung führte uns nicht durch das malerische Viertel Petite France und vermittelte uns auch auch Einblicke in französische Alltagskultur: vom petit déjeuner bis zur Comic-Kultur. Am Nachmittag wechselten wir die Perspektive. Eine Schiffsfahrt auf der Ill führte uns durch die Altstadt und die Neustadt bis ins Europaviertel, wo wir unter anderem das Europäische Parlament und den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte vom Wasser aus bestaunten.
Am Donnerstag stand schließlich Europa im Mittelpunkt. Wegen streikbedingter Tramprobleme (Mutterland der Revolution, Sie erinnern sich?) erreichten wir das Europaviertel kurzerhand zu Fuß. Nach einer Einführung in die Bedeutung des Viertels im Lieu d'Europe erkundeten die Schülerinnen und Schüler bei einer Schnitzeljagd selbstständig die europäischen Institutionen. Anschließend besuchten wir das Europäische Parlament. Besonders beeindruckten die Architektur der Agora, deren Gestaltung an den rötlichen Vogesensandstein erinnert, und die umfangreiche Infrastruktur des Parlaments mit eigenen Dienstleistungen und Betreuungseinrichtungen. Im riesigen Plenarsaal konnten wir sogar eine Veranstaltung des europäischen Schülerprogramms Euroscola miterleben. Die Tram, die wir auf der Rückfahrt nahmen, änderte unterwegs ihre Linenbezeichnung und somit auch Richtung. Ob auch dies protestbedingt war, entzieht sich unserer Kenntnis, aber das Leitmotiv unserer Fahrt stand nun wohl fest.
Auch das gemeinsame Essen kam nicht zu kurz: Burger, elsässischer Flammkuchen und ein gemütlicher Abschlussabend in der Jugendherberge rundeten das Programm ab. Am Freitag ging es schließlich zurück nach Hause – mit vielen neuen Eindrücken von einer Stadt, in der französische Lebensart, Geschichte und europäische Politik unmittelbar aufeinandertreffen – und ohne weitere Zwischenfälle auf der Rückreise. Quelle chance!














