Interview mit dem Künstlerduo Ute Emmerling und Karl-Heinz Brunner

Klasse 8b: Bitte stellen Sie sich beide kurz vor.

Ute Emmerling: Also ich bin die Ute Emmerling, werde jetzt 80 Jahre alt und habe 2003 den Kunsttreff gegründet. Die Schaufenster hier in Hilpoltstein waren alle so leer, das war so trostlos, dass wir das ändern wollten, die ganze Malgruppe damals aus Allersberg. Eigentlich bin ich gelernte Industriekauffrau und habe dann als Sekretärin gearbeitet. Danach habe ich meine Ausbildung zur Gesundheitspädagogin gemacht und irgendwann hatte ich es satt, an der VHS zu unterrichten. Und dann habe ich angefangen, mich beschulen zu lassen, ich habe dann mit Mallehrern gemalt.

Karl-Heinz Brunner: Mein Name ist Karl-Heinz Brunner, ich bin 64 Jahre alt, bin verheiratet und habe zwei Kinder, auch schon Enkel. Ich bin jetzt auch seit eineinhalb Jahren Rentner und war früher in der IT-Branche tätig. Vielleicht kennt ihr mich auch, ich war früher der Flecklasmo in Hilpoltstein. Außerdem war ich früher auch Burgfestzauberer.

Klasse 8b: Sie sind ja auch die Vorsitzende im Kunsttreff Hilpoltstein. Was sind Ihre Aufgaben?

Ute Emmerling: Ich bin ja eigentlich die Sprecherin. Ich organisiere alles, zum Beispiel die ganzen Ausstellungen. Ich arbeite mit der Presse und ich schreibe die Artikel für das Burgblatt. Das sind meine Aufgaben. Außerdem führe ich Verhandlungen mit der Stadt, ich suche Dozenten, wenn wir innerhalb des Malvereins jemanden speziellen haben wollen. Wenn wir beispielsweise spezielle Acrylmalerei, Ölmalerei oder Pastellkreidemalerei machen wollen, dann holen wir uns Dozenten aus der ganzen Bundesrepublik. Die kommen dann zu uns mal ein, zwei oder mehrere Tage.

Klasse 8b: Okay, dann würden wir gerne wissen, wie Ihre Tätigkeit dazu beiträgt, den Landkreis zu gestalten?

Karl-Heinz Brunner: Ich bin zuständig für das Leiten des Kurses Offenes Malen.  Wir haben jeden Donnerstag einen Kurs, in dem jeder malen kann, was er will.  Ich bin immer da, wer Lust hat, kann gerne kommen. Wir machen Ausstellungen und laden Leute in den Offenen Garten ein, in dem wir Bilder ausstellen.

Ute Emmerling: Ich denke aber auch, dass unser Verein auch soziale Aufgaben hat. Wir haben sehr viele ältere Menschen bei uns und es kommen sehr viele Kranke zu uns, beispielsweise rekonvaleszente Menschen. Das sind Leute, die zum ersten Mal in der Reha mit Malen in Berührung gekommen sind. Auch dieses gesellige Zusammensein ist für die ganze Gruppe wichtig. Natürlich brauchen wir aber auch Nachwuchs, wir sind ständig auf der Suche danach.

Klasse 8b: Seit wann interessieren Sie sich denn eigentlich für Kunst allgemein?

Karl-Heinz Brunner: Ich interessierte mich schon von klein auf für die Zauberkunst. Vor dreißig Jahren habe ich angefangen zu Malen, das Gegenteil zur Zauberkunst. Man ist ruhiger, es ist nicht mehr so nervenaufreibend wie bei einem Auftritt als Zauberer. Man setzt sich hin, hat ein Objekt vor den Augen, man kann abschalten. Vor 23 Jahren habe ich angefangen bei der VHS. Die ersten Kurse habe ich in Aquarell belegt, dann habe ich ein bisschen in die Ölmalerei, Acrylmalerei und Airbrush reingeschnuppert und dann bin ich wieder zu Aquarell zurück.

Klasse 8b: Wie sind Sie dazu gekommen, haben Sie das einfach mal ausprobiert?

Karl-Heinz Brunner: Ich habe auch immer von klein auf gerne gemalt und gezeichnet, aber dann wollte meine Frau ein Bild haben und ich sagte dann: „Okay, ich male dir eines.“ Das war dann doch nicht so einfach, aufgrund dessen ging ich dann zur VHS und da habe ich mich dann schlau gemacht. Dort habe ich dann mit anderen Dozenten gemalt. Ich habe verschiedene Kurse belegt und bis zum jetzigen Stand mache ich das immer noch so.

Ute Emmerling: Ich habe schon sehr früh angefangen zu malen. Mit 16 Jahren war ich in England beim Schüleraustausch, bin zum ersten Mal in London gewesen und dort in dem Museum, in der „National Gallery of Arts“ am Trafalgar Square. Ja, und das hat mich so fasziniert, dass ich nach einer Rundreise durch England nochmal dorthin gegangen bin. Und von dem Augenblick an wollte ich eigentlich gerne genauso malen wie „die alten Meister“. Das hat eigentlich nie so recht geklappt, aber ich denke, wir haben auch eine ganze Menge geschafft in der Zwischenzeit.

Klasse 8b: Haben Sie irgendwelche Vorbilder im künstlerischen Bereich?

Ute Emmerling: Naja, eigentlich schon. Das kann eine Blume sein, das kann ein Baum sein, Tiere und Menschen sind da nicht so mein Fall, aber eine Landschaft und dann möchte ich das gerne so wiedergeben, wie ich das sehe.

Klasse 8b: Also haben Sie jetzt eher Objekte als Vorbilder und keinen bestimmten Maler, der perfekt Ihren Stil trifft?

Ute Emmerling: Doch, das ist zum Beispiel William Turner, einer vieler großer Impressionisten. Da gibt es hervorragende, ganz hervorragende Maler. Also, das was die „alten Meister“ geschafft haben, das schaffen wir sowieso nicht, wollen wir auch gar nicht. Also der Expressionismus oder Impressionismus, das sind so die Vorbilder.

Karl-Heinz Brunner: Zum Beispiel auch Monet oder, was mich noch fasziniert, ist Albrecht Dürer, der die Aquarellmalerei wieder salonfähig gemacht hat. Vorher war es verpönt, Aquarell zu malen, aber wenn man sich den Dürer-Hasen oder ein Rasenstück von Dürer anschaut, das sieht aus wie ein Foto. Wie er das gemalt hat, das ist schon eine Kunst für sich.

Klasse 8b: Inwiefern betreffen ihre Kunstwerke den Landkreis Roth, also was haben Sie damit zu tun oder haben Sie überhaupt etwas damit zu tun?

Ute Emmerling: Natürlich haben wir damit auch was zu tun. Wir malen natürlich auch Motive hier aus dem Landkreis, malen den Stadtweiher, den Fuchsmühlweiher, die alten Scheunen in Eysölden und Unterrödel. Zu den Segelbooten am Rothsee gehen wir zum Teil auch mit den Dozenten und malen dort, um dann auch die Ausstellung für den Landkreis zu machen.

Klasse 8b: Sind  diese Ausstellungen dann auch in Roth, ich habe mal im Internet was davon gelesen.

Ute Emmerling: Wir haben bei der AWO hier in Hilpoltstein ausgestellt, im Südklinikum in Nürnberg und wir haben regelmäßig Ausstellungen in der Residenz und unsere Jahresausstellung. Dann stellen wir auch noch einmal im Jahr im Garten bei uns oben in Marquardsholz aus und auch in Arztpraxen.

Klasse 8b: Und in welchem Stil malen Sie am liebsten?

Karl-Heinz Brunner: Zuallererst einmal Realismus, nichts Abstraktes. Wir sind einfach Realisten, wir möchten sehen, was wir malen. Also ich kann nichts mit Farbklecksen anfangen.

Klasse 8b: Wo im Landkreis malen Sie am liebsten, haben sie da einen bestimmten Ort, an dem Sie individuell sehr inspiriert sind?

Karl-Heinz Brunner: Ich male am liebsten im Atelier bei uns draußen in der Gruppe oder bei mir zuhause nach einer Fotovorlage aus dem Landkreis. Ich bin oft mit dem Fahrrad unterwegs und mache Fotos oder mache mir Skizzen in mein Skizzenbuch und dann wird das zu Hause umgesetzt.

Ute Emmerling: Ich male gern im Garten, aber einen bestimmten Ort habe ich nicht. Ich male dort, wo es schön ist. Zum Beispiel, wenn man bei uns von Marquardsholz nach Solar fährt, das ist so eine wunderbare Landschaft, in der wir leben, dass man das unbedingt festhalten muss, immer wieder. Und nicht nur mit dem Foto das ist viel zu einfach.

Klasse 8b: Und verkaufen Sie dann auch Ihre Werke?

Ute Emmerling: (lacht) Ja, das würden wir ganz gerne ab und zu mal.                                                                               Karl-Heinz Brunner: Wenn das Bild jemandem gefällt und er möchte ein Bild haben, dann selbstverständlich. Ich mache zum Beispiel Auftragsarbeit. Wenn jemand kommt und ein Foto mitbringt, von dem, was er haben möchte, dann male ich es ihm, aber reich wird man davon nicht.

Ute Emmerling: Ich habe jetzt in meiner ganzen „Karriere“ 20-25 Bilder verkauft.

Klasse 8b: Es geht also vor allem um den Spaß am Malen?

Ute Emmerling: Genau, das ist es.

Klasse 8b: Was genau inspiriert Sie beim Malen?

Ute Emmerling: Das Licht, die Farbe. Ich male vor allem viel mit Pastellkreide, während er (Karl-Heinz Brunner) sich auf Aquarell spezialisiert hat. Und gerade Pastellkreide ist für mich auch Inspiration, wenn ich diese vielen, vielen bunten Kreiden sehe. Dann habe ich auch viele Ideen, etwas umzusetzen.

Klasse 8b: Warum sollten junge Menschen Ihrer Meinung nach im Landkreis bleiben?

Ute Emmerling: Sollten sie das? Ich bin der Meinung, das sollten sie nicht. Ich denke, sie sollen erstmal raus, sie sollen die Welt sehen, sie sollten Sprachen lernen, andere Menschen kennenlernen und, wenn sie dann zurückkommen, dann hat sicher Hilpoltstein auch was davon, aber ich würde nicht sagen, dass ihr gleich von Anfang an hier bleiben solltet.

Karl-Heinz Brunner: Ja, ich bin der gleichen Meinung. Wenn sie dann wieder kommen, dann liegt das sicher auch an der Infrastruktur, wie den Gewerbegebieten oder den Plätzen, an denen Leute Urlaub machen. Wir wohnen hier und andere machen an dem gleichen Platz Urlaub, aber ich bin auch der Meinung, dass man erst raus sollte und danach wieder zurückkommen kann.

Klasse 8b: Vielen Dank für das Interview!

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